Perfectly Wrong – Teil 1

Egal, wie dunkel die Nacht auch sein mag – dein Licht werde ich immer sehen.

Wenn ich in einem Moment wüsste, was mich im nächsten erwarten würde, dann gebe es Dinge, die ich sagen und tun würde, um es entweder zu verhindern oder es auf die bestmögliche Art tun zu können. Es war simpel und doch nicht so simpel, wie man denken würde, wenn man die Fähigkeit besaß, in die Zukunft zu sehen. Und wenn es nur der als nächstes folgende Moment wäre. 

Meine Mutter hatte mir eins immer gesagt, dass man jeden Tag mit einem Lächeln begrüßen soll. Weil jeder Tag ein Neuanfang war, der es verdient hatte, dass man ihn mit einer unbeschriebenen Seele antrat. Bis vor drei Jahren hatte ich das noch geglaubt, aber irgendwann machte man im Leben die Erfahrung, dass es Dinge gab, die einem schon in der ersten Minute des Morgens das Lächeln stahlen. Sie klauten es in dem Augenblick von deinen Lippen, wenn es sich gerade darauf ausbreiten wollte. 

Die ersten Sekunden des Tages sind sorgenlos. Bis der Verstand zusammengefügt hatte, wo man sich befand und wer man war, was man bereits durchlebt hatte, was durchleidet. 

Realisierte man all diese scheinbar unbedeutenden Geschehnisse, dann fiel jedes Lächeln schwerer. Aber man zwängte es auf seine Lippen. Sei es, weil die anderen es erwarteten. Sei es, weil man sich immer noch an den Wunsch festklammerte, dass man jeden Tag als unbeschriebenes Blatt beginnen konnte. Irgendwann wurde dieses Lächeln nur noch ein Zeichen der langsam sterbenden Hoffnung, die man mit aller Macht aufrechthielt. Und überschritt man diese Phase – verlor man die Hoffnung -, dann wurde dieses zwanghafte Lächeln zu einem Ritual. 

Ein Ritual, von dem ich hoffte, dass es irgendwann von einem anderen, einem echten Lächeln ersetzt werden konnte. 

Doch er hatte es mir genommen, 

mein echtes Lächeln.