Crave – Tracy Wolff | #booktalk

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Herzlich Willkommen zu einem weiteren Beitrag der Reihe #booktalk! Heute geht es um den ersten Band der gleichnamigen Serie »Crave« von Tracy Wolff. Besorgt euch schnell etwas zu Essen und macht euch einen Kaffee, denn das hier wird länger dauern…


Nach dem Unfalltod ihrer Eltern verschlägt es Grace buchstäblich ins kalte Exil: die Wildnis von Alaska, wo ihr Onkel ein Internat leitet, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht. Und die Schüler sind nicht weniger mysteriös, allen voran Jaxon Vega, zu dem Grace sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt – trotz aller Warnungen, dass sie in seiner Nähe nicht sicher ist. Doch Jaxon hat seinen Ruf nicht umsonst: Je näher sie und der unwiderstehliche Bad Boy einander kommen, desto größer wird die Gefahr für Grace. Offensichtlich hat jemand es auf sie abgesehen …


Spoiler alert!

Mit dieser Nachricht möchte ich dich darauf hinweisen, dass dieser folgende Blogbeitrag definitiv und um alle Umstände Spoiler enthält. Falls du also vorhast, das Buch zu lesen, ohne zu wissen, worum es geht, lies auf keinen Fall weiter. Falls du aber das Buch vielleicht schon gelesen hast, oder dir Spoiler egal sind – zu denen es definitiv kommen wird -, dann bist du herzlich eingeladen, weiterzulesen.

Für all jene, die nun wegschalten: Habt eine gute Zeit, aber seid euch gewiss, dieses Buch ist so kitschig und klischeehaft wie eine roasrote Prinzessinnentorte. Viel Spaß beim Lesen! Ich hoffe, euch kommt es nicht aus den Ohren raus. 🙂


Fantasybücher – und wie ich sie nicht mag

Wenn Lesen zur Zerreißprobe wird, dann hinterfragt man noch einmal, ob man das auch wirklich will.

Es gibt viele Dinge, die ich in den letzten Jahren des Lesens gelernt habe. Beispielsweise erfährt man mit jedem gelesenen Buch mehr, was man mag und was nicht. Bei YA-Fantasy ist das so eine Sache. In dem einen Buch liebe ich die aufgegriffenen Tropes und Klischees, in dem anderen frage ich mich, warum ich zu einer solchen Geschichten überhaupt gegriffen habe.

Crave von Tracy Wolff ist für mich ein Buch gewesen, das ich mit dem Erscheinen auf Deutsch zwar auf dem Schirm hatte – den Hype auf Bookstagram konnte man nicht übersehen -, aber auf meine Einkaufsliste ist es nicht direkt gewandert. Während meines Aufenthaltes in Berlin durfte es dann doch mit. Ich wusste schon im Vorhinein, worauf ich mich einlasse. Klischeehaft heißt ja nicht unbedingt, dass es schlecht ist. Klischees können gut sein, ich mag Klischees. Und ich glaube sogar, dass ich das Buch eigentlich gut gefunden hätte, wäre dies und jenes nicht gewesen.

Und um „dies und jenes“ wird es jetzt gehen. Ich hoffe, ihr habt alle etwas Zeit dabei.


Erstes Stadium: Es liegt nicht an dir, es liegt an mir.

Meine erster Gedanke, nach den ersten dreißig Seiten war: »Ich bin zu alt für diesen Shit.« Normalerweise ist diese Art von Büchern früher genau meins gewesen. Egal, wie oft ich solche Geschichten gelesen habe. Das wiederholende Augenverdrehen gehört einfach mit dazu und in den meisten Fall habe ich mich in den männlichen Protagonisten verliebt. In diesem Buch – keine Chance. Grace war mir von Beginn an unsympathisch – auf eine Weise, die ich gar nicht richtig in Worte fassen kann. Ich wusste nicht, woran es lag. Aber dieses negative Gefühl, das man manchmal auch bei Menschen hat, die man gerade erst kennenlernt, konnte ich nicht einfach fortschieben. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, woran es lag – jetzt weiß ich es definitiv. Mir hat es bereits die Lust auf das Lesen genommen, dabei war noch nicht einmal irgendetwas Richtiges passiert.

Und dann folgt Jaxons Auftritt. Leute, nein. Einfach nein.

Er spricht sie erstmalig auf dem Gang an, Grace ist gerade an der Katmere Academy angekommen, und er versucht, sie erst wieder zum Gehen zu bewegen und will sie dann vor all den „bösen Monstern“ warnen. Er führt sich dabei auf wie ein dummer Junge, der keinerlei Menschenkenntnis hat, und natürlich ist er unfassbar gut aussehend und düster. Like 99% aller YA-Bücher, die ich je gelesen habe. Aber hey, genau mein Typ, haha. Leider ist Jaxon dabei absolut nicht anziehend und das Grace immer wieder sagt, wie faszinierend und anziehend sie ihn findet, trägt nicht unbedingt dazu bei, dass sich meine Einstellung ihm gegenüber ändert. Ganz im Gegenteil…

Das Schlimmste an dieser ganzen ersten Unterhaltung zwischen ihnen ist, dass Grace ihn erst absolut scheußlich findet und dann urplötzlich, als er seine verletzliche, gebrochenen Seite durchscheinen lässt – in Form einer Narbe im Gesicht -, ändert sich ihr Verhalten um hundertachtzig Grad. Schleudertraumata bei mir vorprogrammiert. Tracy Wolff hat in dem Moment allerlei Karten auf das Spielbrett gelegt, die sie für Jaxon hatte. Anstatt nur einen Funken zugeben, legt sie alles von ihm mit einem einzigen Blick offen und das VIEL ZU FRÜH… Bei über 600 Seiten ist es klar, dass es sich um einen Slowburn handelt und anstatt Jaxon erst einmal wie den harten Typen rüberkommen zu lassen, der er eigentlich nicht ist (und auch nicht sein muss), gibt es sofort einen viel zu innigen Moment zwischen den beiden, den man nicht richtig nachvollziehen kann. Sie berührt ihn im Gesicht, einen völlig Fremden. Und er lehnt sich in die Berührung hinein.

„Kennt ihr das, wenn man ganz ruhig wird und innerlich ist man eigentlich kurz davor alles klein zu schlagen…..“

Goodreads Update: @bookdragoon

Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll…. Es hat mich so unvorbereitet getroffen, dass ich das Buch zu geklatscht habe und erst einmal wild herumgesprungen bin, weil ich es einfach nicht wahrhaben wollte. Vielleicht sollte es das Knistern zwischen ihnen entstehen lassen, aber ich habe nichts gespürt – gar nichts. Zwischen den beiden war im gesamten Buch kein einziger intensiver Moment, den ich richtig fühlen konnte. Spannungen – nein. Irgendeine Verbindung – Fragezeichen. Tiefergehende Gefühle – nöp, hab nichts gefühlt.

Und darum geht es doch?! Dass man genau dieses verfluchte Zittern wahrnimmt, dass man unaufhörlich grinsen muss und endlich darauf wartet, dass sie sich küssen, dass sie sich berühren. Sie tun es, ja, aber ihre Gefühle kommen aus dem Nichts und zeichnen sich durch so eine übermäßige Intensität aus, die man einfach nicht nachvollziehen kann.

Wenn ich das Knistern zwischen den beiden beschreiben müsste, würde ich sagen: Jemanden hat vergessen den Kamin anzumachen…

Goodreads Update: @bookdragoon

Zweites Stadium: Ich glaube, ich muss kotzen…

Zu diesem übertrieben Bild der Beziehung zwischen Grace und Jason trägt der Schreibstil einen großen Teil bei. Ich bin ein Leser, der unheimlich gerne markiert, hineinschreibt und jede Menge Post-its hinterlässt. Bei diesem Buch: Nichts. Kein einziger Abschnitt konnte mich literarisch überzeugen. Sie schreibt zu … blumig, zu viel, zu plump, zu Teenie-like. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Es fehlte jegliche Poesie, jegliches Gefühl für Worte.

Ich bin keine Schriftstellerin, habe kein Buch veröffentlicht, aber ich schreibe… also glaube ich, in irgendeiner Weise zu wissen, wie es sein könnte, sodass der Leser die Empfindungen wahrnimmt.

Es las sich zwar flüssig, aber die Metaphern waren unausgereift, fühlten sich grundlegend falsch an. Emotionale Phrasen kamen stumpf rüber, kratzten bloß an der Oberfläche, obwohl der Inhalt von solch tiefgreifenden Emotionen handelt. Es passte nicht zusammen, war grundlegend zu übertrieben – einfach too much.

Bestes Beispiel, der erste Kuss: »Ich bin geblendet, verzaubert, gebannt.« 

Würg.

„Seite 323: der erste Kuss. Nicht leidenschaftlich, nicht tief…. Wie eine Schneeflocke. 

Hahahahahhahahahahhahahah I can’t“

Goodreads Update: @bookdragoon

Eine weitere Sache, die mich unnormal gestört hat, waren die unzähligen Einschübe. Unnütze Informationen blaßen den Text erheblich auf. Sie zerrten an meiner Konzentration, machten es schwierig beim Inhalt zu bleiben und verleiteten dazu, einfach ganze Absätze zu überspringen. Das war das eine, das andere war dieser übertriebene Teenie Slang. Ich mag das nicht – gar nicht. Für mich ist es das Schlimmste, wenn sich meine Lesestimme so künstlich jung anhört.

Ich konnte nicht einschätzen, wie alt Grace und auch alle anderen nun sind. Junge Protagonisten sind eine Sache, aber wenn sie in dem einen Moment wie Kinder wirken, im anderen aber versuchen, sich gegenseitig umzubringen… Häh? Wo bin ich gelandet? Menschen, die mit so viel Gewalt und Tot zu tun haben, verhalten sich meist älter, als sie sind. Sie werden früher erwachsen. Und sich dann immer noch wie kleine Kiddis zu benehmen, passt einfach nicht. Das funktioniert nicht.


Drittes Stadium: Dein Humor und mein Humor? – passt nicht.

Eine weitere Schwierigkeit, die dieses Buch hat, sind allen voran die Dialoge. Ich weiß, das es schwer sein kann, Dialoge lebendig zu schrieben, damit sie sich fließend und authentisch anhören, aber Tracy Wolff hat vor allen Dingen hier extreme Probleme. Sie sind hölzern, wirken viel zu gestellt. Ihnen fehlt jegliche Natürlichkeit. Es gibt Passagen, die lustig wirken sollten… Zwischen den Charakteren fliegen Worte rum wie ein Spielball, ohne dass wirklich eine Reaktion gezeigt wird. Viele Dinge waren einfach unlustig. Vermutlich liegt es grundlegend daran, dass Humor unterschiedlich ist. Mein Humor hat Tracy Wolff definitiv nicht getroffen.

»Wenn du ohne mich nicht leben kannst, warum bist du dann noch nicht tot?«

… Das ist die Krönung aller Kapitelanfänge…. Nach diesem kack Buch brauch ich erstmal eine Gehirnwäsche, um die Scheiße wieder loszuwerden.“

Goodreads Update: @bookdragoon

Das heißt allerdings nicht, dass ich nicht gelacht habe. Tatsächlich habe ich sogar sehr viel gelacht – aber es war dann doch mehr ein unangenehmes Lachen über unangenehme Situationen. In meinen Gedanken war vor allen Dingen das Wort »Nein« sehr laut.


Viertes Stadium: Mainstream heißt nicht immer, dass man auf der sicheren Seite ist.

Sowohl mit der Handlung als auch mit den Charakteren ist Tracy Wolff definitiv auf der sicheren Seite im YA Genre geblieben. Das Setting ist großartig. Ein Internat mitten im Nirgendwo vor der Kulisse Alaskas? Her damit. Die Stimmung war im Grunde auch nicht schlecht, aber an der Stelle hätte man das Düstere, Geheimnisvolle besser rüberbringen können. Viel hat man davon leider nicht gespürt, stattdessen blitze es lediglich in vereinzelten Szenen durch – und das bei einem über 600 Seiten Buch. Schade einfach. Allerdings ist das nicht der einzige Punkt, der mich davon überzeugt, dass es sich bei dieser Geschichte um umausgeschöpftes Potenzial handelt.

Ein noch viel besseres Beispiel sind die Charaktere. Sowohl die Haupt- als auch die Nebencharaktere gewinnen trotz der Länge nicht an Tiefe. Selbst nach Beenden habe ich immer noch das Gefühl, niemanden von ihnen zu kennen. Jason vielleicht ein bisschen, aber im Normalfall sollte dies nicht von einer einzigen Szene abhängen.

 „Wir sind beim Twilight Auto Moment: »Du bist ja eiskalt!«“

Goodreads Update: @bookdragoon

Mit Grace hat Wolff erneut eine aufmüpfige Protagonistin ins Leben gerufen, die 1. nicht weiß, wann man den Mund hält, und 2. keine Ahnung hat, wenn sie keine Ahnung hat. Ihr Charakter ist so leer wie ein leeres Glas Wasser – Wasser ist noch nie im Glas gewesen. Ich weiß nicht einmal mehr, welche Farbe ihre Haare haben. Beide Hauptfiguren scheinen nur durch die Gefühle für den anderen charakterisierbar zu sein.

Auch der Plot ist … schwach. Gerade das Ende schickt eine Gänsehaut über meinen gesamten Körper. Die Plottwists waren zu vorhersehbar und konnten mich nicht im geringsten überraschen. Der Bösewicht der Geschichte war für mich schon mit der ersten Begegnung klar und an den letzten Szenen fand ich – ehrlich gesagt – nichts dramatisch.

„Wisst ihr, worauf ich richtig Bock hätte?

Mit einem dicken fetten schwarzen Edding alles Unnütze rausstreichen… Gott, das wäre das beste Gefühl ever. Dafür überlege ich echt, das Buch zu behalten.“

Goodreads Update: @bookdragoon

Fünftes Stadium: Ziellinie überquert

„Reden wir am besten niemals über diese ganzen Logikfehler… Das würde das Buch noch schlechter machen, als es sowieso schon ist. Und ich meine wirklich…. Wenn es negativ Sterne geben würde… dann würde ich vielleicht noch irgendwann mal ein GUTES Gefühl im Zusammenhang mit diesem Buch empfinden.“

Goodreads Update: @bookdragoon

Nun, wir haben das Ende fast erreicht. Noch ein paar letzte Worte und dann ist es endlich geschafft.

Was soll ich sagen?

Crave war für mich nicht nur eine Enttäuschung. Es war ein Reinfall mit Kollateralschaden. Und soll ich euch etwas verraten? Das Ganze geht selbstverständlich in die nächste Runde. Ihr fragt euch jetzt mit Sicherheit, weshalb ich mir das antun sollte. Ganz einfach… manchmal macht es doch Spaß, sich über einen solchen Scheiß aufzuregen und meine sarkastische Seite auszuleben. Zwischendurch muss das einfach mal sein. Der Hauptgrund ist eigentlich, dass ich eure Nachrichten auf Instagram einfach liebe und euch meine Updates auf Goodreads wirklich zu unterhalten scheinen.

Im Rückblick war das Ganze auch gar nicht so schlecht. Die Grundidee eines Internats in der Weite von Alaska mit übernatürlichen Wesen klingt beim ersten Hören auch wirklich gut. Leider hat Tracy Wolff die Idee nicht unbedingt nach meinen Vorstellungen umgesetzt und entspricht mit jedem ihrer geschriebenen Worte dem absoluten Klischee. Am Ende wären die Klischees noch nicht einmal so schlimm gewesen, doch der kitschige Ton der Geschichte brennt einfach jegliche Gehirnzelle aus meinem Kopf.


Ich hoffe, euch hat der heutige Booktalk etwas unterhalten können. Nehmt bitte keinerlei Kritik, die ich an dem Buch äußere, persönlich. Es handelt sich dabei lediglich um meine Meinung & ich verurteile euch keinesfalls, falls euch das Buch gefallen hat. Lesegeschmäcker sind verschieden und manchmal ist es einfach so, dass anderen ein Buch nicht so gut gefällt, wie es einem selbst gefallen hat.

Hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Liebste Grüße und wundervolle Lesestunden!

Veröffentlicht von Nele

junger Buchwurm und große Träumerin - above the stars

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