Die rote Königin

Wenn es ein Buch gibt, welches mich so süchtig gemacht hat, dass ich nicht aufhören konnte, dann ist es ohne auch nur lange darüber nachzudenken ‚Die rote Königin‘ von Victoria Aveyard.  Innerhalb eines Abends sind die 500 Seiten nur so dahin geflogen und ich kann, kurz gesagt, garnicht mehr auf den nächsten Teil warten.

Mare lebt in einer Welt, in der die Farbe des Blutes bestimmt, wer man ist. Die Silbernen, die mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet sind, leben in Saus und Braus und blicken hinunter auf die Roten, die in den Slams leben oder in Dörfern, die von Armut und Angst erfüllt sind. Es ist egal, wie man es dreht, denn der Unterschied zwischen diesen beiden Schichten der Gesellschaft ist so groß wie der zwischen Schwarz und Weiß.

 Die Welt um uns herum hat sich verändert, aber wir sind geblieben, was wir waren. (S.68)

Mare hasst sie und muss sich in ihrem Dorf durch Stehlen über Wasser halten. Ihre Eltern sind nicht mit den Taten ihrer Tochter zufrieden und ihre kleine Schwester ist für sie die einzige Hoffnung auf ein Leben ohne die Angst am Abend kein Essen zu haben. Doch nicht nur der Hunger ist ein großes Problem in Mares Leben, denn jeder Jugendliche, der zu seinem 18. Geburtstag keine Lehrstelle oder einen Job besitzt, ist dazu verpflichtet der Armee beizutreten und in den Krieg zu ziehen. Und ihr Leben steuert genau darauf hin, so wie auch ihre älteren Brüder in den Krieg ziehen mussten.

 Ihr silberner Krieg wird mit rotem Blut bezahlt. (S.52)

Durch einen vermeintlich glücklichen Zufall bekommt Mare allerdings einen Job am Hof als Dienerin. Anders als sie aber erwartet geschieht etwas Unfassbares: Sie, ein Mädchen von rotem Blut, rettet sich mithilfe einer besonderen Fähigkeit vor dem Tod. Und das mitten in einer Versammlung von Silbernen. Das Königspaar gibt sie als verschollene Silberne aus und verlobt sie mit dem jüngeren Prinzen. Mare muss am Hof bleiben und sich den Regeln der Silbernen beugen, aber nicht nur die neue Umgebung ist für sie eine Herausforderung, sondern auch scheint der Kronprinz Cal, der ihr den Job ermöglicht hat, gewisse Gefühle in ihr zu erwecken. Mare ist durcheinander, fühlt sich machtlos, doch die einzige Chance, die sich durch ihren neuen Status ermöglicht hat, ist es, sich mit den Rebellen zusammenzutun und zu kämpfen. Zu kämpfen für eine Welt in der alle Menschen gleich sind. Dabei setzt sie aber nicht nur ihr Leben aufs Spiel…

Mare ist eine unglaublich toughe Hauptprotagonistin, die sich von niemandem etwas sagen lässt. Zu Beginn ist sie nur von einem Problem betroffen: genug Essen auf dem Tisch und sich darauf vorbereiten, bald in die Armee einzutreten. Ihre große Begabung unbemerkt Gegenstände zu stehlen und die Leute auszurauben hilft ihr in ihrer Welt zu Recht zu kommen, doch die missbilligen Blicke ihrer Eltern nagen an ihr. Sie weiß nicht, wofür sie gut ist, was sie mit ihrem Leben machen soll und hat sich bereits mit ihrem Schicksal in den Krieg ziehen zu müssen, abgefunden. Zumindest bis ihr bester Freund seine Lehrstelle verliert und bereits ein paar Tage später eingezogen werden soll. Das ist für sie der ausschlaggebende Punkt, an dem es für sie reicht. Sie sucht nach einer Möglichkeit aus dem Dorf zu verschwinden.  Und obwohl es zuerst unmöglich scheint, gibt sie nicht auf. Ihre Entschlossenheit lässt auch in der gesamten Geschichte nicht nach und ich beneide sie für ein solches Durchhaltevermögen.

 …, und doch kann ich jetzt nur noch über Cal  und seine Hände und den leichten Holzfeuerduft nachdenken, der ihm überallhin zu folgen scheint; er erinnert mich an Wärme, an den Herbst, an zu Hause. (S.300)

Der ältere Prinz Cal war von dem ersten Moment, in dem er Mare begegnet ist, schon in meinem kleinen Fangirl Herzen. Schwarze Haare und goldene Augen, wer kann da bitte widerstehen… Und dann ist er noch so ein herzensguter Mensch, zumindest auf den ersten Blick, denn auch dieser Junge trägt eine Last mit sich herum, die ich niemandem wünsche. Aber trotzdem ist er anders, als man denkt. Cal ist keinesfalls der überhebliche, arrogante und gewaltbessene Prinz, den man erwartet. Stattdessen setzt er sich wirklich mit der Regierungsform auseinander und bemüht sich darum sein Volk zu kennen. Dennoch kann man den Hang zur Gewalt nicht außer Acht lassen…Nur damit ihr es nicht falsch auffasst: Cal ist nicht gewalttätig im Sinne von unnötige Machtspielchen, die ein bisschen ausarten. Cal ist sich seiner Macht, seiner Stärke bewusst und weiß, wann und wieviel er einsetzten muss, um Dinge zu erreichen, die für ihn und seiner Familie oder allgemein seinen Mitmenschen wichtig sind, gefährlich sind. Auch wenn er dabei Methoden anwendet, die doch sehr brutal sind, kann ich es nachvollziehen. Es ist so aufgewachsen. Dennoch kann ich auch Mare verstehen, dass sie vor einem solchen Verhalten zurückschreckt und ihr Vertrauen einen Schaden nimmt. Ich denke, niemand würde mit einer Folter an seinen eigenen Leuten klar kommen bzw. immer noch in die Augen dessen gucken wollen, der für das Leiden verantwortlich ist. Trotz dessen würde ich Cal immer noch als einen guten König beschreiben. Er ist gutherzig, denkt aber dennoch strategisch nach und handelt nicht unüberlegt. Er sieht immer das große Ganze, ist stark und will der sein, der die Befehle auch ausübt und sie nicht nur entscheidet.

Ich kann nicht glauben, dass ich ihn nicht gleich als das erkannt habe, was er ist: ein Wolf im Schaflspelz. Und jetzt bin ich das Schaf, das so tut, als wäre es ein Wolf. (S. 197)

Wie ich ja schon in der Inhaltsangabe erwähnt habe, besitzen die Silbernen Fähigkeiten. Aveyard hat eine Welt geschaffen in der es viele solcher Talente gibt, bzw. gibt es viel mehr Häuser, die immer eine ausgewählte Fähigkeit weiter vererben. Da gibt es die Grünfinger, die Nymphen, die Starkarme und so viel mehr… Kurz gefasst mochte ich die Welt wirklich sehr und eine solche Art von Magie ganz besonders. Genauer will ich auch garnicht darauf eingehen, da ihr immer noch selbst herausfinden solltet, was in Mares Welt so besonders ist und ich nicht zu viel verraten möchte.

Für mich war dieses Buch auf jeden Fall ein Highlight und ich will garnicht mehr auf die nächsten Teile warten. Es ist eine Geschichte, die mich auch jetzt noch nicht losgelassen hat und einfach Lust auf mehr macht. Kauft es! List es! Genießt es!

5 von 5 Sterne

Infos zum Buch:

Titel: Die rote Königin

Autor: Victoria Aveyard

Verlag: Carles Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN 978-3551315724

Seitenanzahl: 512

Preis: 14,99€ (Taschenbuch)

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