Berühre mich. Nicht.

Ich bin am Ende. Ich weine. Ich leide. Ich habe das Gefühl einfach nur noch zu sterben. Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich ein solches Chaos an Gefühlen verspürt. Ich will dieses Buch an die Wand klatschen, weil ich es hasse und gleichzeitig liebe ich es so sehr, dass ich es sofort noch einmal aufs neue lesen will. Es ist verrückt. Verrückt genial, um es am besten zu beschreiben.

Wenn Neustart bedeutet, Dinge zu vergessen, die in einem die reinste Panik auslösen, ist es schwer. Es ist schwer, sich ein neues Leben aufzubauen, das immer noch von einer Vergangenheit verfolgt wird, die man einfach nur hinter sich lassen will. Sage besitzt so gut wie nichts, als sie ihren Neustart beginnt. Dreitausend Meilen entfernt von dem, was ihr Leben zur Hölle gemacht hat. Und die Angst. Ein ständiger Begleiter mit dem sie versucht umzugehen. Um sich über Wasser halten zu können, nimmt sie einen Job in der Bibliothek ihrer neuen Uni an und genau dort trifft sie auf Luca. Groß, muskulös, tätowiert. Er verkörpert all das, was Sage in Angst versetzt. Doch je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto deutlicher wird, was sich hinter seiner Fassade verbirgt. Und das bringt Gefühle in ihr hervor, die rein gar nichts mit Angst zu tun haben.

Er hatte Risse in meiner Seele hinterlassen, aber ich war nicht daran zerbrochen.(S.126)

Ohne große Vorwegnahme wird man eigentlich direkt in die Geschichte hineingeworfen und erlebt bereits auf den ersten Seiten, wie sich das Leben von Sage anfühlt. Bisher habe ich noch kein Buch in diese Richtung gelesen und es hat mich überrascht, wie sehr man mitleidet. Man spürt die Ängste fast selber und es ist beinah schmerzhaft. Sages Entwicklung ist daher unbeschreiblich. Dadurch, dass man eben feststellt, wie sehr diese Angst sie beeinflusst und wie riesig sie ist, war es auf eine Art und Weise wunderschön mitanzusehen, wie diese überwältigenden Gefühle immer weniger Raum einnahmen. Genau das macht das Buch zu etwas ganz besonderen.

Luca ist einfach nur perfekt! Ich habe mein Herz an ihn verloren. Ich liebe seine Locken, seine Art und besonders seine Denkweise. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch keinen Favourit-Bookboyfriend, aber jetzt habe ich ihn definitiv gefunden.

„Du musst eines wissen, Sage.“ Lucas Stimme klang rau. „Ich mag die meisten Menschen nicht.“ Unweigerlich muss ich lächeln. „So was Ähnliches hast du schon einmal gesagt.“ „Aber die Menschen, die ich mag, bedeuten mir alles.“(S.321)

Lauras Schreibstil ist wirklich super angenehm. Und so leicht wie es sich lesen ließ, so tiefgründig war es auch. Es macht einen verrückt und beinah kaputt, mitanzusehen, wie Sage versucht alleine mit ihren Ängsten klarzukommen und scheitert. Noch schlimmer war es aber, zu wissen was los ist bzw. es erahnen zu können und Luca, der versucht ihr zu helfen, im Unwissenden stehen zu sehen. Das ist wahrscheinlich auch der Hauptgrund, weshalb ich das Buch keine Sekunde aus der Hand legen konnte. Man wollte unbedingt wissen, wann es passiert, wann alles an die Oberfläche durchdringt und keine Zweifel mehr bestehen. Wenn man sicher weiß, was sie durchmachen musste und wie Luca damit umgeht. Dadurch kam eine Grundspannung auf, die einen einfach dazu verleitet hat, jedes Wort aufzusaugen.

„Du findest Unterhaltungen intimer als Sex?“ Die Frage war mir über die Lippen gekommen, bevor ich sie hatte zurückhalten können. Er verzog die Mundwinkel. „In gewisser Weise schon. Unterhaltungen können zu Gefühlen führen, Sex täuscht sie nur vor. Und wenn erst einmal Gefühle im Spiel sind, ist es leicht, verletzt zu werden.“ (S.170)

Es hat einen kurz gesagt süchtig gemacht! Für mich zählt es absolut zu meinen liebsten New Adult Büchern und ich freue mich jetzt schon darauf, es bald noch einmal zu lesen.

5 von 5 Sternen 

Infos zum Buch: 

Titel: Berühre mich. Nicht

Autor: Laura Kneidl

Verlag: LYX; Auflage: 8. Aufl. 2017 (26. Oktober 2017)

Sprache: Deutsch

ISBN 978-3736305274

Seitenanzahl: 464 Seiten

Preis: 12,90€ (Broschiert)

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